Hommage an Jens Raabe

Texte

Wolf Sailer

Ich weiß nicht, ob Du Dich an mich noch erinnern kannst, ich bin der Wolfi aus Österreich, hab früher in Berlin mit Jens und Alex zusammengewohnt und habe durch Zufall heute die Hommage-Seite von Jens gefunden und mich sehr gefreut, dass es noch immer auch nach seinem Tod noch Spuren, und Bilder von Jens gibt und er nicht vergessen ist.  Für mich sowieso nicht, ich habe noch selbst ein Bild von ihm in meinem Regal und vermisse einen tollen Menschen und seinen Witz und seine Leichtigkeit das Leben zu bewältigen. Danke für diese Seite -  ich hab mich sehr gefreut.

Alles Liebe und die liebsten Wünsche für Dich aus Österreich
VON FRAU SAILER WIE JENS IMMER MICH NANNTE!"


Annette

"Jetzt sitzt er mit Prinzessin Diana beim Tee
und tanzt dem lieben Gott auf der Nase rum..."


REDE VON BEATE, am 4. März in der Asamkirche in München

Wir haben uns heute aus einem sehr traurigen Anlaß zusammengefunden. Wir wollen von unserem lieben Freund Jens Abschied nehmen. Wir treffen uns hier, weil wir genau jetzt bei der Beisetzung in Göttingen nicht dabei sein können.

Wir können nicht dort sein, aber unser Herz unsere Gedanken, unsere Freundschaft und unsere Liebe für ihn wollen auch Abschied nehmen. Da wir selbst nicht dort sein können, haben wir uns zum selben Zeitpunkt in dieser wunderschönen, so ihm passenden Kirche zusammengefunden, um ebenfalls Abschied zu nehmen.

Und er? Er tanzt, wie man so schön sagt, mal wieder auf mehreren Hochzeiten.

Aber so kannten wir ihn und genau so liebten wir ihn.

Beate



ELEGÍA A JENS RAABE - Juan-P. López

Cuando le conocí, bastaron diez minutos y unas pocas palabras para que me cayera bien. Aunque no le veíamos mucho, mantenía un asiduo contacto con su amiga de alma; y cuando por motivos de trabajo se encontraba cerca, solía pasar algun fin de semana en casa, donde mantenía largas conversaciones con Andrea; confiándose ambos sus últimas inquietudes; y yo adivinaba en sus rostros el bálsamo curativo que segrega la amistad.

Era un tipo acostrumbado a la noche. No poseía domocilio fijo ni raices, y sus pertenencias bien podían caber en su bolsa de viaje. Era uno de esos tipos de segunda fila, que se mueven en un escenario para deleite del público y se alimentan de aplausos compartidos. No era un tipo duro. Era bailarín y le gustaban los hombres. Era sensible y poseía el donaire y la elegancia del cisne en cada gesto. Se llamaba Jens Raabe; en una autopista de Berlín quiso la muerte coregrafiar su último baile.

No me duele tanto tu ausencia, como el dolor de saber que quedarás para siempre tras el telón de nuestras vidas. Me molesta tanto, que busquen respuestas profanando tus restos - como saber que de nuevo el estúpido progreso haya segado la flor de tantas ilusiones. Y no me duele tanto por ti. Al fin y al cabo tú ya llegaste al final del camino, entanto nosotros seguimos acá, empeñados en ponernos trabas, haciéndonos difícil el caminar. Lo siento más por la mutilación que genera tu pérdida a los que tanto te querían.

Mi amigo Charli, que murío en otro estúpido accidente de tráfico, tuvo tiempo de llamar a Dios mientras la vida se le iba acabando. El bueno de Charli, tocaba el saxo en el "Osiris", un garito de la mala muerte, allá por los años setenta. Se apellidaba Cuervo, cómo tú, y era ateo. Cuando me descubrió entre los rostros que le contemplaban tendido en el asfalto, tomó mi mano, la apretó y me dijo: "Amigo mio: no creas que reniego de mis creencias. Lo que pasa es que, en esta jodida ciudad, es más probable que Dios llegue antes, a que lo haga una ambulancia". Entonces deseé con todas mis fuerzas que llegase la condenada ambulancia - y que ésta fuese conducida por Dios. Ignoro que pudo sucederte. Quiero creer que no sufriste, que dormías en el sueño de la mejor de tus actuaciones, y que al despertar del otro lado del telón caído, haya sido Dios, quien quebrara el silencio con una cerrada ovación.

Descansa en paz, querido Jens. Y permíteme que también yo dé un póstumo aplauso a la que fue tu vida.

20 de Febrero de 2000 - Juan-P. López

NACHRUF FÜR JENS RAABE

Als ich ihn kennenlernte, genügten zehn Minuten und wenige Worte um zu erkennen, daß er mir gefiel. Obwohl wir ihn nicht oft sahen, hielt er ständigen Kontakt mit seiner Seelenfreundin. Und wenn ihn seine Arbeit in unsere Nähe führte, verbrachte er manches Wochenende bei uns.

Lange Gespräche führte er mit Andrea, in denen die beiden sich ihre letzte Beunruhigung beichteten. Und ich bewunderte in ihren Gesichtern das heilende Balsam, welches die Freundschaft dort aufträgt. Er war ein Nachtwesen. Er hatte weder ein festes Zuhause noch Wurzeln und seine persönlichen Dinge konnten gut in eine Reisetasche passen. Er war einer von denen aus der zweiten Reihe, die sich auf der Bühne bewegen zum Vergnügen des Publikums und sich vom gemeinsamen Applaus ernähren. Er war kein harter Mann. Er war Tänzer und ihm gefielen die Männer. Er war sensibel und verfügte über die Anmut und Eleganz eines Schwans in jeder seiner Gesten. Er hieß Jens Raabe. Auf einer Straße nahe Berlin wollte der Tod seinen letzten Tanz choreografieren.

Es ist nicht so sehr deine Abwesenheit, die mich schmerzt, sondern die Gewissheit, daß du für immer hinter dem Vorhang unserer Leben bleiben wirst. Es stört mich so sehr, daß nun Antworten gesucht werden, indem man deine Überreste entweiht, und ebenso das Wissen darum, daß wieder ein idiotisches Geschehen die Blüte so vieler Illusionen zerstört hat. Und ich trauere nicht so sehr um dich, denn du bist schließlich bereits am Ende deines Weges angekommen, während wir hierbleiben und darauf bestehen uns Fesseln anzulegen um uns das Laufen zu erschweren. Mehr schmerzt mich die Verstümmelung, die dein Verlust bei denen hervorruft, die dich so sehr liebten.

Mein Freund Charli, der bei einen anderen Verkehrsunfall starb, hatte noch Zeit, Gott zu rufen während das Leben aus ihm entwich. Der gute Charli. El spielte Saxophon bei Osiris, ein Volltreffer für den bösen Tod, damals in den 70er Jahren. Sein Nachname war "Cuervo", (spanisch: Rabe), so wie deiner, und er war Atheist. Er lag auf dem Asphalt, und als er mich entdeckte zwischen den Gesichtern, die ihn umgaben, nahm er meine Hand, drückte sie und sagte: " Mein Freund, glaube nicht, daß ich meiner Überzeugung untreu werde, aber es ist nun mal so, daß in diesen verdammten Kaff eher Gott kommt als ein Krankenwagen." In diesem Moment wünschte ich mit aller Kraft, daß dieser verfluchte Krankenwagen kommen möge - gesteuert von Gott. Ich ignoriere was dir geschehen sein könnte. Ich will glauben, daß du nicht gelitten hast, daß du eingeschlafen warst, träumend von dem besten Auftritt deines Lebens, und als du auf der anderen Seite des Vorhangs des Lebens erwachtest, war es Gott, der die Stille mit einer stehenden Ovation unterbrach.

Ruhe in Frieden, lieber Jens. Und erlaube mir, daß auch ich einen nachträglichen Applaus dem spende, was dein Leben war.

20. Februar 2000 - Juan-P. López



EINE UNGEHALTENE REDE

[...] Welchen Sinn hat ein sinnloser Tod? Ich weiß es nicht. Vielleicht nur den einen: anders weiterzuleben. Mit mehr Mut und mehr Kraft, mit dem Gedanken daran, dass das Leben sehr kurz sein kann.

Mit dem Gedanken, dass wir im Leben nichts zu verlieren haben außer unserer Angst. Ich hoffe, dass ich mir diese Erkenntnis werde bewahren können.

Als ich vor zwei Wochen in Berlin war, habe ich zwischen Fotos von Jens auch ein Programmheft wiedergefunden, von einem Stück, das er vor sieben Jahren in Frankfurt getanzt hat und das mich mehr beeindruckt hat als alles andere, was er beruflich gemacht hat. Ein Zwei-Mann-Stück, eine Hommage an Hervé Guibert, einen französischen Schriftsteller, der im Alter von 36 Jahren an Aids gestorben ist.

In diesem Heft ist ein Foto von Jens zu sehen, auf dem er hoch in Luft springt wie ein Frosch und das mit einem Zitat von Borroughs unterlegt ist. Dieses Zitat geht mir seitdem nicht mehr aus dem Kopf -genauso wenig wie das Bild- und ich möchte es uns allen zum Abschied mit auf den Weg geben.

Es lautet: Ich habe mit einem Knallfrosch ein Loch in die Zeit gesprengt. Mögen andere hindurchgehen. Ich wünsche mir so sehr, dass wir genau das tun werden. Dass wir uns von unserer Trauer nicht lähmen lassen.

Dass wir nicht länger verharren in Ohnmacht, in Sprachlosigkeit und Apathie. Ich wünsche mir, dass wir das Loch, das Jens´ Tod in unsere Zeit, in unser Leben gesprengt hat, nutzen werden, um hindurch zu gehen, um weiter zu tanzen, weiter zu LEBEN!!!

Ende Februar 2000